Ina Bierstedt
Eröffnung: Freitag, 12. Mai 2006, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 13. Mai bis 17. Juni 2006
Das malerische Zusammenspiel vermeintlich sinnstiftender
Details und einer gleichwertig abstrakten Bildsprache kennzeichnet
die neusten Arbeiten von Ina Bierstedt. In ihrer mittlerweile zweiten
Einzelausstellung in der KUTTNER SIEBERT Galerie zeigt Ina Bierstedt
malerisch stimmungsreiche Szenarien, die insbesondere in den spärlich
akzentuierten Bildräumen die assoziative Gabe der Betrachter
herausfordern: "(...) Mich interessieren bestimmte Sujets,
zum Beispiel Motive aus den Modellbauzeitschriften. Dort werden,
durch Anordnung der Modelle im gebastelten Umraum und deren fotografische
Abbildung, Größenverhältnisse suggeriert, die der
Wirklichkeit nacheifern. Die kleinen Versatzstücke daraus sind
sozusagen Geschöpfe einer „Hobbywelt“, in der sich
Vorstellungen unserer Kultur-Landschaft spiegeln. Wenn ich diese
„Geschöpfe“ aus ihrem Zusammenhang reiße
und in meine Bildräume einfüge, werden sie in „Fremdes
Licht“ eingehüllt, automatisch zu Fragmenten, die wie
auf einer Bühne, bestimmte Assoziationen provozieren. Aber
ich möchte keine Geschichten erzählen und deshalb fehlen
die Akteure. Es geht mir nur um die Bühne. Auch die menschlichen
Figuren in einigen Bildern füge ich nicht wirklich in die Szenerie
ein. Sie taugen nicht als Schauspieler. Ich verwende gern menschenleere
Häuser, die ohne Dach und ohne Fenster, noch untauglichen Bauruinen
gleichen..." (Ina Bierstedt).
Die Landschaften sind extrem dicht und komplex. Sie entstehen in
einem langen Arbeits-prozess, in dem Farbe in mehreren Schichten
auf die Leinwand geschüttet, gestrichen und getropft wird.
Erst im Prozess des Malens entwickelt sich die endgültige Bildidee,
zumal die malerische Technik häufig zu überraschenden
Ergebnissen führt: so mag die amorphe Gestalt heruntergelaufener
Farbflächen bestimmte Assoziationen hervorrufen, die - sofern
sie nicht durch erneute Übermalung verworfen wird - der ursprünglichen
Komposition eine andere Richtung gibt. Durch diese Technik des Farbauftrags
erreicht die Künstlerin ein vielschichtiges Erscheinungsbild:
das Durchscheinen ver-schiedener Malebenen wirkt aquarellartig,
andere Bereiche wiederum sind extrem dicht. Für manche Flächen
verwendet Ina Bierstedt Farben, die sich auf Grund ihrer gegensätzlichen
Eigenschaften voneinander abheben. Diese Arbeitsweise resultiert
auch aus ihrem Interesse für Spiegelungen und extreme Licht-
und Schattensituationen. Darüber hinaus wird die Bildfläche
unterschiedlich fokussiert, wodurch Brechungen und Irritationen
entstehen. „Wenn man durch ein Fernglas schaut und ein Objekt
fokussiert, stellt man die Schärfe ein und der Raum wird in
imaginäre Scheiben eingeteilt. Ähnliches geschieht generell
im Wahrnehmungsprozess und beim Erinnern. Durch das bewusste oder
unbewusste Fokussieren entscheidet sich jeder Mensch für bestimmte
Ausschnitte.“ (Ina Bierstedt)
Die Künstlerin arbeitet vor allem am Bildraum. Während
ihres Studiums setzte sie sich besonders mit der Raumgestaltung
von de Kooning und Francis Bacon auseinander. Die Beschäftigung
mit der abstrakten Malerei zeigt auch in ihren neuen Arbeiten deutlich
sichtbare Auswirkungen: Sie nutzt die Möglichkeiten des schnellen
und spontane Farbauftrages für ihre Zwecke.
Das Genre der Landschaftsmalerei dient Ina Bierstedt als „Matrix“:
„Man hat eine Basis die nicht zum Nachdenken zwingt, sondern
die man so akzeptiert und wiedererkennt.“ Jedoch verweigert
sie sich dem Etikett der so genannten Neo-Romantik. „Vielleicht
haben die Romantiker die Landschaft erst als die ideale Projektionsfläche
entdeckt, obwohl die Landschaftsmalerei sehr viel älter ist.”
Entscheidend ist für sie in ihren und den Werken anderer Maler
das Moment der Irritation sowie eine spürbare Tiefgründigkeit.
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