Dunja Evers
- "I Had A Dream"
Eröffnung: Freitag, 14. Mai 2004, 19
Uhr
Ausstellungsdauer: 15. Mai bis 10. Juli 2004 verlängert
Öffnungszeiten: Di-Sa 12-19 Uhr
Was wir zu sehen glauben, nennen wir Wirklichkeit
- trotz des Wissens um die Unzulänglichkeit unserer Sinne,
deren Beschränkungen und deren Fassungsvermögen. Die Sinne
sind leicht zu täuschen, vom Verstand ganz zu schweigen. Mit
der zunehmenden Technisierung unserer Gesellschaft scheint die Wirklichkeit
von Moment zu Moment flüchtiger zu werden: in der Konstruktion
von Wirklichkeit gilt dies sowohl für den gegenwärtigen
Augenblick wie für Vergangenes.
Wirklichkeit ist weder das, was wir wahrnehmen, noch das, als was
wir sie erinnern. Diese Beobachtung lässt sich bei den Fotografien
von Dunja Evers anschaulich nachvollziehen. Denn die Arbeiten von
Dunja Evers verweigern sich einem schnellen Erkennen, wenn sie auf
den ersten Blick eher monochromen, ungegenständlichen Gemälden
ähneln und nur zögerlich ihr Sujet offenbaren. Die Abbildfunktion
der Fotografien verliert sich bei Dunja Evers in Andeutungen und
nähert sich dem Verständnis autonomer Malerei. Entscheidend
ist weniger der Rückbezug auf die konkrete Gestalt des Motivs
als vielmehr die Vermittlung einer assoziativen und gefühlsmäßig
subjektiven Stimmung. Die Fotografien erlauben dem Betrachter sich
ihrer Wirklichkeit zu bemächtigen, indem das vermeintlich erkannte
Abbild der subjektiven Erinnerung angepasst wird.
Auch ihre neueste Arbeit, einer für die KUTTNER SIEBERT Galerie
angefertigten Videoinstallation, widmet sich dieser Thematik. Ihr
Interesse richtet sich hier auf die Bedeutung der technischen Apparatur
an der Konstruktion von Wirklichkeit und sinnstiftender Erzählung.
Die filmische Darstellung eines Super-Acht-Projektors zeigt aus
starrer Perspektive einzig die Bewegung der Filmspulen, zu hören
ist der Ton des projizierten Films. Obwohl das Filmbild nicht sichtbar
ist, vermag die geläufige Musik des Films beim Betrachter die
eingangs erwähnte assoziative Stimmung und einhergehend damit,
subjektive Erinnerungsbilder auszulösen.
Ein anderes Video zeigt die Darstellung eines Schallplattenspielers,
dessen Tonarm sich allmählich dem Ende der zu hörenden
Aufnahme nähert. Eben in der Schlichtheit des Bildes von der
Bewegung der Filmspule oder des in Aufsicht gezeigten Plattentellers
offenbart sich die Bedeutung der beiden Filme, inmitten digitaler,
im technologischen Transfer zerstückelter und wieder zusammengesetzter
Informationen, Kontinuität zu veranschaulichen und Erzählung
zu schaffen. Denn analogen Medien ist ein Zeitbegriff immanent,
der im digitalen Zeitalter zunehmend bedeutungslos wird.
Der Super-Acht-Film ist wie kein zweites Medium mit der Zeit der
Siebziger Jahre verbunden. Beleg dafür ist der auf wenige Sekunde
Dauer gekürzte Ausschnitt eines Filmes des Mondes, aufgenommen
aus der Raumfähre Apollo 16 bei ihrem Rückflug vom Mond
1974. Es ist das Video eines projizierten Filmes, so dass den Ton
der Aufnahme mit dem Funkverkehr der Astronauten, das Geräusch
des Projektors begleitet. Doch im Gegensatz zu dem gefilmten Bild
des Schallplattenspielers mit der Wiedergabe der Musik oder der
Darstellung des gefilmten Projektors mit dem Ton eines nicht sichtbaren
Films, irritiert das hier Gezeigte durch das Fehlen konkreter Informationen.
Zu vage bleibt das sichtbare Filmbild, zu fragmentarisch der begleitende
Ton, als das sich dem Betrachter die Szenerie sofort erschließt.
Letztlich thematisiert Dunja Evers die Konstruktion von Wirklichkeit
auf anderer Ebene: als den Zweifel an der Echtheit der Bilder.
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