Eröffnung: Freitag 16. Juli
2004, 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 17. Juli - 14. August 2004
Die Ausstellung "Schöne Aussichten"
versammelt Arbeiten von fünf Künstlern der vor nunmehr
einem Jahr gegründeten Galerie. Die Ausstellung ist gleichermaßen
eine zwischenzeitliche Bilanz der bisherigen Tätigkeit
und eben Aussicht auf das Kommende. Schöne Aussichten sind
zudem die Arbeiten mit ihren jeweiligen landschaftlichen Bezügen.
Als Genre der bildenden Kunst umfasst die Landschaft unter anderem
naturnahe und auch stilisierte Darstellungen von realen oder
imaginären Gegenden. Letztere finden sich in den Bilder
von Ina
Bierstedt, deren malerische Ausführung zwischen Abstraktion
und Gegenständlichkeit die Szenerie spannungsreich auflädt.
So irrt der Blick des Betrachters in der ausgewogenen Komposition
der Bilder rastlos auf der Suche nach Anhaltspunkten umher,
die Aufschluss über das Gezeigte geben. Offensichtlich
ist dabei der langwierige Prozess des Malens, die dauernde Suche
der Künstlerin nach der endgültigen Form des Bildes
in den unzähligen Schichten und Übermalungen.
In Dunja
Evers Fotografien spielen ebenso Film und Malerei eine bedeutsame
Rolle. Mit längeren Belichtungszeiten fotografiert die
Künstlerin aus Super-Acht-Filmen ausgesuchte Sequenzen
ab. Demnach überlagern sich viele Filmbilder zu einer stillen
Fotografie, die ihre intensive Farbigkeit im nachhinein durch
den Auftrag mehrerer monochromer Schichten erhält. Eine
der Werkgruppen von Dunja Evers widmet sich der Landschaft.
Doch nur zögerlich gibt sich das Motiv zu erkennen. Und
letztlich bleibt das Gezeigte zu vage, als das die Landschaft
zweifelsfrei identifiziert werden kann. Der Betrachter vermeint
lediglich die Szenerie zu erkennen, indem er die landschaftliche
Anmutung mit seiner Erfahrung von konkreter Landschaft füllt.
Die Fotografien von Stefanie
Schneider zeigen menschenentleerte Landschaften, häufig
fern jeglicher Zivilisation. Über dem tiefliegenden Horizont
mit Blick auf niedrige Hügelketten öffnet sich die
Weite des Himmels. Während der Fahrt aufgenommen, erhält
die Landschaft eine gelegentliche Unschärfe. Das Flirren
vor dem Auge des Betrachters wird auf den Fotografien zudem
durch eine substantielle Veränderung des Polaroidmaterials
erhöht. Durch diesen malerisch anmutenden Effekt zeigt
sich die Landschaft bei Stefanie Schneider nicht länger
als wertneutrale Darstellung einer Umgebung. Vielmehr beeinflusst
die teils von Zufall gesteuerte Zurschaustellung von Licht,
Luft und räumlicher Ausdehnung das Verhältnis des
Menschen zur Landschaft.
Seiner Erfahrung vertrauend, wähnt
der Betrachter die Werke von Stefan
Sehler aus der Weitsicht als fotografierte Bergpanoramen.
Gestützt wird dieser Eindruck durch die Art und Weise ihrer
Präsentation mit Passepartout und Rahmung. Erst später
offenbart sich das Malerische in den Schlieren, die herabgleitenden
Geröllhalden und Moränen ähnlich, sich über
die Fläche verteilen. Der für den Künstler nur
schwer zu kontrollierende Prozess des Malens mutet dennoch als
wohl kalkulierte Imitation der Natur an.
Die ästhetische Auffassung von Natur in den Bildern von
Olaf
Quantius versteht sich als Annäherung an den Schriftsteller
Thomas Bernhard. In seinem Werkzyklus "Ottnang" nähert
sich Olaf Quantius dem Schriftsteller und seiner Umgebung: seinen
Häusern und Möbeln, der Landschaft und so fort. Doch
sind die Bilder weit mehr als die nüchterne Bestandsaufnahme
einer historischen Person und seiner Besitztümer. Mit seinen
bildnerischen Mitteln, den amorphen Formen, Verwischungen, Schlieren
und gestischen Akzenten, schafft Olaf Quantius Bildwerke ungewöhnlicher
Intensität, die zugleich den Akt des Malens betonen und
das spannungsreiche Verhältnis von Maler und Motiv thematisieren.