Kuenstler
     
Karin Hueber, in Falten ziehen Karin Hueber, in Falten ziehen Karin Hueber, in Falten ziehen
KARIN HUEBER

"in Falten ziehen"

Eröffnung: Donnerstag, 30. April 2009, 19 Uhr
1. Mai bis 20. Juni 2009


Sonderöffnungszeiten:
Freitag, 1. Mai 2009 von 11-21 Uhr,
Samstag, 2. Mai und Sonntag 3. Mai jeweils von 11-19 Uhr

Die Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsort markiert den jeweiligen Beginn der künstlerischen Arbeit von Karin Hueber. Der Raum mit seinen Besonderheiten definiert sich nicht nur durch seinen Maßstab, sondern zugleich durch dessen Qualitäten und den damit einhergehenden Wechselwirkungen auf den Menschen. Im Ansatz verweist Karin Hueber auf die künstlerische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts, aus der heraus Künstlerinnen wie Katarzyna Kobro und später Lygia Clark ihre Arbeit entwickelten. Deren Verständnis folgend, ungeachtet der Unterschiede ihrer künstlerischen Eigenheiten, ist eine Skulptur nicht länger ein in hermeneutischer und intentionaler Absicht geschlossenes Gebilde sondern zugleich die Gestaltung von Raum in Beziehung zum Körper. In der Konsequenz, die auch für die Arbeit Karin Huebers gilt, bedeutet dies eine Verschiebung im Verständnis des Autonomiebegriffs eines Kunstwerkes: die künstlerische Intervention versteht sich nunmehr als eine physisch und psychologisch konzentrierte Erfahrung in gebauter Umgebung.
Karin Hueber sucht nach Eigenschaften, die einem Raum eingeschrieben sind und so zum Beispiel Hinweise auf seine Geschichte geben, erweitert und transformiert diese in Skulpturen und Installationen, die den Betrachter seinen Standort hinterfragen lassen.
Die Ausstellung „In Falten ziehen“ rückt bauliche Besonderheiten der Galerie in den Vordergrund, die den Raum strukturieren und entscheidenden Einfluss auf die Bewegung und Wahrnehmung des Besuchers haben. Diese Punkte sind nicht auf den ersten Blick dominierend, stellen jedoch wichtige Verbindungen her, rhythmisieren den Blick und beeinflussen so den Betrachter in seiner Wahrnehmung des Raumes und der Werke. Huebers Arbeiten lehnen sich an Pfeiler, mäandern aus ihnen über Unterzug und Wände in den Raum. Kleine Parasiten, die sich andocken und sich in den Raum einnisten. Erweitert werden sie von einer in den Raum gestellten Säule, konstruiert aus wieder verwendeten Holzplatten. Sie ist aus statischer Sicht zweckfrei und wird in ihrer Absurdität durch ein Spiegelobjekt in einer Ecke des Raumes ein weiteres Mal verdoppelt.
Die installativen Objekte reflektieren die baulichen Besonderheiten und werden zudem von der Idee getragen, die die Künstlerin in dem Buch „Ein Mann der schläft“ von Georges Perec fand. Genauer ist es die Stimmung, die das Buch wie ein roter Faden durchzieht, wenn die Geschichte eines Mannes erzählt wird, der sich eines Morgens, ohne jeglichen Zwang, zu einem Experiment entschließt: für einen gewissen Zeitraum wird er sich ohne Kontakt zur Außenwelt in seine Wohnung zurückziehen. Er reduziert sich vollkommen auf sich und seine Umgebung. Dabei sind Wahn- und Scharfsinn, Zeit und Irrwitz zentrale Aspekte.
Die konzentrierte Wahrnehmung des Protagonisten auf seine Umgebung findet ihre formale Analogie, fern einer bildhaften Sprache, in der Gestaltung der einzelnen Objekte Karin Huebers. Es sind die unkontrollierten Momente einer intensiven Beobachtung und plötzliche Richtungswechsel in der Wahrnehmung, die Gestalt werden.
Die Ausstelllung „In Falten ziehen“ ist die erste Einzelausstellung Karin Huebers in der KUTTNER SIEBERT Galerie. Noch bis Anfang August ist ihre Gestaltung der Rückwand „The Inside Out Exhibition“ an der Kunsthalle Basel zu sehen. Karin Hueber lebt zur Zeit als Stipendiatin des Kanton Baselstadt in Berlin.