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EN EL LIMBO
Catalina Pabón
Eröffnung: Freitag, 11. Juni 2010, 19
Uhr
12. Juni bis 24. Juli 2010
Dienstag bis Samstag 11 - 18 Uhr
Die Ausstellung der kolumbianischen Künstlerin
Catalina Pabón mit dem Titel „En el limbo“, was in etwa mit „in der Luft
hängen“ oder auch „in der Schwebe“ übersetzt werden kann, zeigt in
Pastell gefertigte Arbeiten auf Leinwand. Das Sujet Catalina Pabóns ist
die Landschaft. Allerdings nicht die pittoresk schöne Ansicht eines
Idylls mit lieblichen Details, sondern die zumeist schroffe, steinerne
und nicht leicht zugängliche Landschaft. Und so steht man vor einem
gewaltigen Felsmassiv, einem Gletscher und dem Eismeer, oder aber der
Blick verliert sich in der Weite einer Steppe, dramatisch in Szene
gesetzt durch einen extrem niedrigen Betrachterstandpunkt.
Die Dramatik der Bilder wird gesteigert durch die überwiegend
dunklen Farbtöne. Ausgehend von der zumeist in schwarz grundierten
Leinwand sind es hoch pigmentierte Weiß und Grauwerte, die Akzente
setzen und der Landschaft und ihren Eigentümlichkeiten Gestalt geben.
Formen gewinnen auf einigen Bildern jedoch nur zögerlich Kontur, bleiben
umrisshaft und vage und die Szenerie für den Betrachter dort kaum zu
erkennen. Demnach sind es bei diesen Bildern Catalina Pabóns auch keine Landschaften mit einem Wiedererkennungswert, sondern vielmehr Archetypen
und Vorstellungen von Landschaften. Sie bleiben in der Schwebe,
Anmutungen, die letztlich mit der Erfahrung von konkreter Landschaft des
Betrachters gefüllt werden. Entscheidend ist weniger der Rückbezug auf
die konkrete Gestalt des Motivs als vielmehr die Vermittlung einer
assoziativen und emotional subjektiven Stimmung.
Auf anderen Bildern von Catalina Pabón, so wie dem eingangs
erwähnten Felsmassiv oder der Gletscheransicht, ist das landschaftliche
Motiv deutlich herausgearbeitet. In frontaler Sicht aus einem ebenfalls
niedrig gewählten Betrachterstandpunkt gesehen, türmt sich das schroffe
Gestein in die Höhe. Und derart in Szene gesetzt, vermitteln sie
anschaulich einen Eindruck von der Gefahr und Undurchdringlichkeit
dieser Orte. Hier rührt Catalina Pabón an ein Gefühl, das sich am
besten mit dem Begriff des Erhabenen erklären lässt. Auch wenn die
Wurzeln des Erhabenen als ästhetische Kategorie neben dem Schönen und
Pittoresken bereits ins 18. Jahrhundert zurückreichen, so hat vieles von
dem mit Blick auf die Bilder Catalina Pabóns augenscheinlich noch immer
Gültigkeit. Es ist insbesondere die Gegenüberstellung des Naturschönen
mit dem Erhabenen, letzteres in der sinnlichen Anschauung und mit den
Worten Kants als „zweckwidrig für unsere Urteilskraft und gewalttätig
für die Einbildungskraft“ erklärt. Und weiter heißt es bei Kant, liegt
der Ursprung dieses disparaten Gefühls in der unruhigen Form der Objekte
selbst, denen jegliche Proportion und innere Balance fehlt, stattdessen
die Natur in ihrem Chaos, ihrer wildesten Unordnung und Verwüstung
zeige. Von dem Erhabenen gehe also eine Gefahr aus, könnte sie doch die
Ordnung zum Kollaps bringen und dem Menschen seine Schwäche aufzeigen.
Doch genau darin liegt der Reiz und die Pointe Kants, zugleich aus einer
intellektuellen Distanz heraus sich als intelligibles Vernunft-Subjekt
bewusst werden zu können. Erhaben ist also weniger die Natur selbst, als
vielmehr die Effekte, die deren Größe und Macht beim Betrachter
auszulösen vermag.
Diese Überlegungen erleichtern bedingt den bildhaften Zugang zu
Catalina Pabóns teils rätselhaften, teils gewaltigen
Landschaftsdarstellungen, erklären aber zumindest ihren Reiz und neben
ihrer Technik, eine weitere Besonderheit der Bilder: Einmal mehr ist es
der Titel gebende Schwebezustand, der hier zum Tragen kommt, wenn der
Betrachter zwischen der Perfektion der Darstellung und dem Sujet des
Dargestellten hin und hergerissen und sich seiner beobachtenden und
wertenden Rolle zwar bewusst, die nötige Distanz für einen wertfreien
Blick dennoch nicht aufbringt. Hier unterscheiden sich die Arbeiten
Catalina Pabóns von vielen Landschaftsdarstellung der Gegenwartskunst,
die zumindest programmatisch zwischen der Anschauung und der Wahrnehmung
von Landschaft unterscheiden, aber meist dennoch nur einem der beiden
Ansätze bildhafte Gestalt verleihen. Und dieser Unterschied markiert die
bemerkenswerte Einzigartigkeit der Kunst Catalina Pabóns.
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