Olaf Quantius
"Les Chaperons"
Eröffnung: Freitag 7. März 2008.
19 Uhr
Ausstellungsdauer: 8. März - 19. April 2008
Öffnungszeiten: Di-Sa 12-19 Uhr
Die Ausstellung „Les Chaperons“ ist die mittlerweile
vierte Einzelausstellung von Olaf Quantius in der KUTTNER SIEBERT
Galerie. Wie immer geht es natürlich um Malerei.
Das gleichzeitige Akzeptieren und Leugnen des Mediums Malerei ist
ebenso Thema, wie Mittel. Dieser Dualismus liegt auch den gewählten
Motiven und dem formalen Vokabular zugrunde: die dargestellten
Personen sind in schicksalhafter Weise zu Paaren vereint, die abstrakten
Arbeiten basieren auf einer gespiegelten Komposition, oder formale
Mittel, wie etwa pastose oder gesprayte Flecken, gehen aus sich
hervor, bzw. ziehen ihren Schatten nach sich.
Les Chaperons - die Begleiter - hießen während der Tour
de France 2007 die Personen, die als Dopingkontrolleure jeden Fahrer
vor und nach dem Rennen begleiteten, um eventuellem Betrug vorzubeugen. „Der
Urbegleiter - Requiem für ein verworfenes Organ“, so überschreibt
Peter Sloterdijk das fünfte Kapitel des ersten Bandes seiner
Sphären-Trilogie. Im Zusammenhang mit seinen Überlegungen
zur Plazenta entstand 2005 das Gemälde „Wächter“,
welches nun, in Umkehrfarben gemalt, den Ausgangspunkt der Serie
Les Chaperons bildet. Es zeigt zwei Stammeskrieger der Insel Neuguinea,
die in mehrfacher Hinsicht das Thema des Begleiters aufgreifen:
zunächst die Tatsache, dass es sich um zwei Krieger handelt.
Der eine begleitet den anderen, gibt ihm vielleicht Moral und Deckung.
Des Weiteren markiert die Farbigkeit und die Rückbeziehung
auf die Arbeit von 2005 das Phänomen eines Negativ, in und
vor dem sich das Positiv bildet. Schließlich verweist die
Tatsache, dass es sich um Krieger einer von der Zivilisierung verschonten
Welt handelt, auf einen archaischen Raum, in den der fötale
Prozess der Subjektwerdung zu verlagern ist, und den sie gleichsam
bewachen. Die Wolldecken, mit welchen ein Teil der Wände und
der Vitrinensockel verkleidet sind, sind in diesem Sinne als Derivat
jener schutzbringenden, umhüllenden zweiten Haut zu verstehen.
Auf ebenso komplementierende Weise finden die Kleiderrolle und
die tibetische Gebetsmühle in der Ausstellung zusammen. Trotz
ihres mechanisch ähnlichen Funktionsprinzips, entstammen sie
doch völlig unterschiedlichen Kontexten und führen ebenso
zu der Zivilisation, die uns nicht genügt, wie zu der archaischen
Welt, die wir nicht mehr erreichen. Die Objekte veranschaulichen
somit auch jenes Empfinden, welches der eingangs erwähnten
Gleichzeitigkeit von Akzeptanz und Leugnung, von Lust und Zweifel
der Malerei zugrunde liegt.
Arbeiten von Olaf Quantius sind zudem
noch bis zum 13. April 2008 in der von der Basis Wien kuratierten
Gruppenausstellung „aus
einem malerischen Land“ im Hangar7 (Salzburg, A) zu sehen,
ferner vom 25. Mai bis 22. Juni 2008 Werke in der Gruppenausstellung „Backdraft“ im
Ausstellungsraum Klingental (Basel, CH).
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