Ina Bierstedt, Dunja Evers, Olaf Quantius, Stefanie Schneider, Stefan Sehler
Schöne Aussichten
17. Juli – 14. August 2004
Die Ausstellung "Schöne Aussichten" versammelt Arbeiten von fünf Künstlern der vor nunmehr einem Jahr gegründeten Galerie. Die Ausstellung ist gleichermaßen eine zwischenzeitliche Bilanz der bisherigen Tätigkeit und eben Aussicht auf das Kommende. Schöne Aussichten sind zudem die Arbeiten mit ihren jeweiligen landschaftlichen Bezügen. Als Genre der bildenden Kunst umfasst die Landschaft unter anderem naturnahe und auch stilisierte Darstellungen von realen oder imaginären Gegenden. Letztere finden sich in den Bilder von Ina Bierstedt, deren malerische Ausführung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit die Szenerie spannungsreich auflädt. So irrt der Blick des Betrachters in der ausgewogenen Komposition der Bilder rastlos auf der Suche nach Anhaltspunkten umher, die Aufschluss über das Gezeigte geben. Offensichtlich ist dabei der langwierige Prozess des Malens, die dauernde Suche der Künstlerin nach der endgültigen Form des Bildes in den unzähligen Schichten und Übermalungen.

In Dunja Evers Fotografien spielen ebenso Film und Malerei eine bedeutsame Rolle. Mit längeren Belichtungszeiten fotografiert die Künstlerin aus Super-Acht-Filmen ausgesuchte Sequenzen ab. Demnach überlagern sich viele Filmbilder zu einer stillen Fotografie, die ihre intensive Farbigkeit im nachhinein durch den Auftrag mehrerer monochromer Schichten erhält. Eine der Werkgruppen von Dunja Evers widmet sich der Landschaft. Doch nur zögerlich gibt sich das Motiv zu erkennen. Und letztlich bleibt das Gezeigte zu vage, als das die Landschaft zweifelsfrei identifiziert werden kann. Der Betrachter vermeint lediglich die Szenerie zu erkennen, indem er die landschaftliche Anmutung mit seiner Erfahrung von konkreter Landschaft füllt.

Die Fotografien von Stefanie Schneider zeigen menschenentleerte Landschaften, häufig fern jeglicher Zivilisation. Über dem tiefliegenden Horizont mit Blick auf niedrige Hügelketten öffnet sich die Weite des Himmels. Während der Fahrt aufgenommen, erhält die Landschaft eine gelegentliche Unschärfe. Das Flirren vor dem Auge des Betrachters wird auf den Fotografien zudem durch eine substantielle Veränderung des Polaroidmaterials erhöht. Durch diesen malerisch anmutenden Effekt zeigt sich die Landschaft bei Stefanie Schneider nicht länger als wertneutrale Darstellung einer Umgebung. Vielmehr beeinflusst die teils von Zufall gesteuerte Zurschaustellung von Licht, Luft und räumlicher Ausdehnung das Verhältnis des Menschen zur Landschaft.

Seiner Erfahrung vertrauend, wähnt der Betrachter die Werke von Stefan Sehler aus der Weitsicht als fotografierte Bergpanoramen. Gestützt wird dieser Eindruck durch die Art und Weise ihrer Präsentation mit Passepartout und Rahmung. Erst später offenbart sich das Malerische in den Schlieren, die herabgleitenden Geröllhalden und Moränen ähnlich, sich über die Fläche verteilen. Der für den Künstler nur schwer zu kontrollierende Prozess des Malens mutet dennoch als wohl kalkulierte Imitation der Natur an.

Die ästhetische Auffassung von Natur in den Bildern von Olaf Quantius versteht sich als Annäherung an den Schriftsteller Thomas Bernhard. In seinem Werkzyklus "Ottnang" nähert sich Olaf Quantius dem Schriftsteller und seiner Umgebung: seinen Häusern und Möbeln, der Landschaft und so fort. Doch sind die Bilder weit mehr als die nüchterne Bestandsaufnahme einer historischen Person und seiner Besitztümer. Mit seinen bildnerischen Mitteln, den amorphen Formen, Verwischungen, Schlieren und gestischen Akzenten, schafft Olaf Quantius Bildwerke ungewöhnlicher Intensität, die zugleich den Akt des Malens betonen und das spannungsreiche Verhältnis von Maler und Motiv thematisieren.