Stefanie Schneider, Aline Bouvy/John Gillis
First Glance
7. Juni – 12. Juli 2003
In unserer ersten Ausstellung präsentieren wir zwei künstlerische Positionen: die belgischen Künstler Aline Bouvy und John Gillis zeigen erstmals ihre Videoarbeiten in Berlin, Stefanie Schneider neue Fotoserien.

'First Glance' - der erste flüchtige Blick als wesentliches Moment in der
Auseinandersetzung mit den Arbeiten: was und wie sie abbilden - der Eindruck davon verändert sich bei den päsentierten Werken stetig.

Aline Bouvy und John Gillis zeigen in ihren Videos kurze, auf eine ausgesuchte Sequenz beschränkte Plots. Sie verweisen in ihnen auf die großen Sujets des Kinos, Leidenschaft und Gewalt. 'Unreleased (Shooting)' (2002), ein animierter Ablauf hunderter Aquarellzeichnungen, widmet sich einem ernsten Thema: der Verwundung und dem Trauma. Vor einem hellen Hintergrund erscheint ein weiblicher Körper in langsam, sich drehender Bewegung. Erste unbedarfte Assoziationen an Tanz verflüchtigen sich, sobald ein anfangs kleiner roter Fleck auf der Kleidung zusehends größer wird, das T-Shirt durchtränkt und der Körper taumelnd stürzt.
Der Grenzgang zwischen spielerischer Leichtigkeit in seiner Machart und der Brutalität seines Inhalts irritiert, zugleich jedoch ermöglicht er die Darstellung fern von jeglichem Pathos und Sentimentalität.

Stefanie Schneiders zwölfteilige Arbeit 'Gestures' (2003) variiert das Motiv einer simplen Geste: die vor der Sonne schützende Hand vor den Augen, dieselbe Hand scheinbar das Haar im Scheitel richtend, dieselbe Hand vor der Stirn im Zustand augenscheinlicher Erschöpfung und so fort.
Der Blick der Kamera beginnt Bild für Bild die junge Frau zu umkreisen, um sich urplötzlich zurückzuziehen und neuerlich langsam herantastend ihre Nähe zu suchen.
Die Bilder erhalten so eine Dynamik, die unweigerlich eine Dramaturgie assoziiert. Doch zu vage bleiben die Angaben, zu fehlerhaft die Inszenierung, als dass sich dem Betrachter eine eindeutige Handlung erschließt. Auf einer anderen Ebene sind es die abstrakt-malerischen Bildmuster, die das Unbestimmte des Gezeigten überhöhen. Einem Schleier gleich legen sich changierende Farbflecken über das eigentliche Abbild. Diesen malerisch anmutenden Effekt erzielt Stefanie Schneider durch eine substantielle Veränderung des ursprünglichen Fotomaterials Polaroid.