Sara Pfrommer, Felix Schneeweiß, Denise Winter, Frank Zitzmann
Nische, Feld
5. Februar – 12. März 2011
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Auf dem weiten Feld der zeitgenössischen Kunst findet sich, bei intensiver Suche, für jeden produzierenden Künstler eine Nische, in der er dann tätig ist. Und in dieser Nische wiederum, sofern er sich denn für eine hat entscheiden können, eröffnet sich ein weites Feld. Also kurz gesagt: Auf jedem Feld eine Nische, in jeder Nische ein Feld. Die beiden Begriffe beziehen sich aber auch auf andere Verhältnisse und Relationen. Und da beginnen die Gemeinsamkeiten von Sara Pfrommer, Felix Schneeweiß, Denise Winter und Frank Zitzmann. Denn deren Verbindung, neben der gemeinsamen Ausbildung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, ist das analytisch-untersuchende im Fragmentarischen, im Räumlichen, im Experimentellen.

Völlige Dunkelheit herrscht zu Beginn des Videos von Sara Pfrommer. Ein zunächst leichtes Grollen untermalt das Bild. Der Ton schwillt allmählich an, wird jedoch immer wieder aufs Neue von einem Geräusch zurückgedrängt, dessen Herkunft lange rätselhaft bleibt. Erst viel später wird klar, dass hier in extremer Verlangsamung die Geräusche eines Selbstauslösers zu hören sind, spätestens, wenn der dazugehörige Film eines Fotoshootings aus dem Dunkeln heraus sichtbar wird. Der verlangsamten Wiedergabe ist das Grundrauschen geschuldet und das verzerrte Intervall, dass die verbleibende Dauer bis zum Auslösen der Kamera signalisiert.

Felix Schneeweiß fertigt Collagen, indem Textfragmente und Zeichnungen kombiniert werden. Das Verhältnis beider zueinander ist kompositorisch ausgewogen, so dass kein Element einen vordergründigen Sinn diktiert, der vom jeweils anderen lediglich untermalt wird. Die Collagen entstehen begleitend zu den anderen, eher konzeptionell ausgerichteten Arbeiten von Felix Schneeweiß und können vielmehr als emotionaler Kommentar einer bestimmten Situation oder Stimmung in dem Werkprozess verstanden werden.

Denise Winter ist mit Skulpturen und Fotoarbeiten in der Ausstellung vertreten. Der räumlich entrückte Blick reduziert die reale Architektur in ihren Fotografien auf deren Oberfläche. Und weil jegliche zur Perzeption der Raumwahrnehmung notwendigen Informationen durch ihre Perspektive ausgeblendet sind, löst sich der Eindruck des Realen zunehmend auf. Dasselbe gilt für ihre aus Aluminium gefertigten Skulpturen, deren Aussparungen im Blech einen ursprünglichen Zweck des Materials in einem gänzlich anderen Sinnzusammenhang vermuten lassen und deren endgültige Form einer unperfekt gefertigten Rolle die sauber gearbeiteten Einschnitten im Blech kontrastieren.

Bei Frank Zitzmann ist die Evidenz der Materialien für das Verständnis seiner Objekte dagegen entscheidend. Er thematisiert die Übergänge zwischen Drinnen und Draußen und verdeutlicht den inszenatorischen Gehalt zur Schau gestellter Objekte, auch wenn der Vorhang sich hier nicht lüften lässt. Er schafft vielmehr durch die materiellen Eigenheiten der Oberflächen Objekte von bemerkenswerter Intensität, die auch losgelöst aus ihrem kontextuellen Rahmen den Betrachter fordern.

Die Ausstellung wurde zusammengestellt von Peter K. Koch.